BRIEF #178
Lieber A., Deine S.

Lieber A.,
Woche für Woche schreiben wir uns und unsere Briefe geben mir Halt und Hoffnung.
Vor wenigen Tagen habe ich dann einen Song gehört, der mich aufgerüttelt hat, weil er mir ins Bewußtsein gerufen hat, dass - ganz entgegen unseres Austauschs - man sich manchmal den Tod eines Menschen wünschen mag. Es klingt ganz furchtbar, ich weiß und ist vollkommen gegen meine Natur, aber "When That Man Is Dead and Gone" ist ein 1941 veröffentlichter Protest-Song von Irving Berlin. Er entstand als dunkles, aber ebenso tanzbares Anti-Hitler-Lied.
Irving Berlin, einer der berühmtesten Komponisten Amerikas, drückte darin die Hoffnung auf ein Ende des Zweiten Weltkriegs und den Tod Adolf Hitlers aus. Er beschrieb darin die Welt als Hölle und die Hoffnung, dass an dem Tag, an dem "dieser Mann" - gemeint war Adolf Hitler - stürbe, sie zum Himmel würde.
Der Song wurde von verschiedenen Big Bands und Sänger*innen jener Zeit aufgenommen. Eine tragische Anekdote rankt sich um die britische Aufnahme des Sängers Al Bowlly: Er nahm das Lied im April 1941 auf und starb nur wenige Tage danach, als sein Haus von einer deutschen Seemine getroffen wurde.Nun sind wir heute in einer Situation, in der man an manchen Tagen ebenfalls denkt, dass die Welt eine Hölle sei und wenn doch nur der oder dieser stürbe, alles wieder in Butter wäre. Aber wir beiden wissen es schon: Es liegt leider an einzelen Menschen, die die Welt zur Hölle machen und momentan sind es unglaublich viele Einzelne, die mich in die Verzweiflung treiben könnten. Könnten. Sie tun es am Ende nicht. Systeme kippen auch in die andere Richtung. Weil ich auch daran glaube, dass einzelne Menschen die Welt nicht retten, aber verändern können. Weil ich Halt und Hoffnung habe. Unter anderem durch dich.
Hab Dank für die vielen Briefe.
Pass auf dich auf!
Deine S.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach

