BRIEF #192
Liebe S., Dein A.

Liebe S.
der frühe Wecker. Der erste Kaffe. Etwas Medizin.
Jede zweite Woche Pausenboxen richten, Brote schmieren, Obst und Gemüse schnippeln.
Rasieren oder nicht. Unter die kalte Dusche.
Der Tag schüttelt sich. Jeden Tag aufs Neue.
Aber irgendwie ist alles anders geblieben.
Dreieinhalb Wochen Gewissheit, bald ein Monat.
Seit dem Begräbnis sind nun 14 Tage vergangen.
Die Zeit läuft und wir laufen mit. Nicht mehr im Sauseschritt, wie Wilhelm Busch einst reimte, sondern in einem zähen Spaziergang.
Wir reden darüber. Und verstehen doch nichts. Immer noch nicht ganz bei Trost.
Ich muss mich neu ordnen. Braucht Zeit. Tut not. Eines schönen Morgens wird es losgehen.
Meine Tochter hat sich Stefans ewigen Klingelton heruntergeladen. Und jedes Mal zucke ich zusammen.
I got a feeling that tonight‘s gonna be a good night.
Bis der Wecker wieder klingelt,
Dein A.
Vorheriger Brief:
Projekte
Briefe vom Anfang über das Ende
- Andreas Kaufmann
- Sabrina Zwach
- Luise Wilhelm
Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach
