BRIEF #190
Liebe S., Was haben wir über der Tod gelacht. Richtig ernst nimmt man ihn erst, wenn er da ist. Dein A.

Liebe S.,
gestern haben wir Stefan zu Grabe getragen.
Ich hatte die unfassbare Ehre, ihm einen Nachruf mit auf den Weg zu geben.
Mir war immer klar, dass ich diese Aufgabe zu übernehmen hätte, so ich ihn denn überleben sollte. Was haben wir über den Tod gelacht. Richtig ernst nimmt man ihn erst, wenn er da ist.
Im Vorfeld wurde ich ein ums andere Mal gefragt, ob ich das denn könne. Ach, diese Nähe, diese entsetzliche Nähe. Aber hier ging es mitnichten ums Können. Es ging um Leben und Tod.
Also habe ich alles reingepackt, was ich habe. Alles was ich fühle. Was ich weiß. Was ich kann. Ja, alles, was ich bin.
Und so ist es geworden. Ich darf mir sicher sein, dass er zufrieden war und nun grinst und grinst und grinst.
Beim Auszug aus dem übervollen Gotteshaus spielten die Blechbläser beherzt das Lied von der Wurst und den zwei Enden. Musik in unseren Ohren.
Heute früh war ich gleich wieder am Grab. Und habe geheult bis mein ganzer Körper gewackelt hat. Aber dann haben mich fröhliche Kinderstimmen aus Stefans Grundschule zurückgeholt. Seine neuen Nachbarn. Eine nette Ecke auf dem Friedhof hinter der Kirche.
Ein Blumenmeer wo gestern noch eine tiefe Grube war. Und einen Kranz mit letztem Gruß von der Brauerei seines Vertrauens hat weiß Gott auch nicht jeder.
Auf die Freundschaft. Vielleicht das tiefste Gefühl, an das wir je rankommen können.
Traurig, geschafft, erleichtert,
Dein A.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach

