BRIEF #156
Liebe S., Diese Sorge kann uns aber Kraft geben. Kraft zu helfen, uns zu kümmern, da zu sein oder auch einen Plan B auszuhecken. Dein A,

Liebe S.,
ein sorgenvoller Blick sagt so viel und lässt tief schauen.
Ob es um die nicht zu bewältigenden Hausaufgaben geht oder um all die unerfüllten Träume, die ein jeder mit sich herumschleppt.
Vor allem sorgen wir uns aber, darüber habe ich nach Deinem letzten Brief viel nachgedacht, um die Menschen, die uns am Herzen liegen. Die Kinder, die Eltern, die Familie und die besten Freunde. Die Sorge, dass sich etwas nicht mehr zum Guten wenden kann, treibt uns immerzu um.
Diese Sorge kann uns aber Kraft geben. Kraft zu helfen, uns zu kümmern, da zu sein oder auch einen Plan B auszuhecken.
Nur wenn aus der Sorge Angst wird, kostet das mehr Kraft, als uns gut tun kann.
Wir brauchen Zuversicht und Hoffnung und Ruhe. Am besten in allen Lebenslagen.
Am ersten Advent habe ich mit meinen Mädchen einen Gottesdienst besucht. Der Pfarrer hat eine schlaue Predigt gehalten, die sogar Menschen hätte ansprechen können, die nicht im Glauben zu Hause sind. Eigentlich ging es eben darum, um die Sorgen und einen Weg, mit ihnen zu leben. Die Kirchenbänke waren so gut gefüllt, dass ich nur staunen konnte. Und die vorweihnachtlichen Lieder aus einer Orgel und vielen Kehlen konnten einen anrühren.
Wohl darum ist Weihnachten so wichtig für uns. Ob wir an den lieben Gott glauben. Oder an die Stärke der Familie. Oder an den Lebensmut der Freundschaft. Oder auch einfach an uns selbst. Weihnachten gibt Kraft.
Die Hoffnung lebt.
Dein A.
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