BRIEF #138
Lieber A., Dein erster Brief hat mich getroffen, du hast Deine Erschütterung über den Krieg beschrieben. Nun ist viel Zeit vergangen und es ist noch immer Krieg. Deine S.

Lieber A.,
ich habe in unseren Briefen geblättert und mich über unseren Briefwechsel gefreut.
Dein erster Brief hat mich getroffen, du hast Deine Erschütterung über den Krieg beschrieben.
Nun ist viel Zeit vergangen und es ist noch immer Krieg.
Gestern habe ich gelesen, dass mittlerweile über eine Million russischer Soldaten ihr Leben gelassen haben.
1 Million Menschenleben wurden geopfert.
Ich kann mir eine solche Zahl gar nicht vorstellen und vielleicht ist das Zählen der gefallenen Soldaten falsch?
Ich habe zu zählen begonnen und mich gefragt, wie lange ich wohl sitzen würde, um die Zahl der Toten zu erfassen?
Wenn ich eine Zahl in einer Sekunde aufsagen würde, bräuchte ich natürlich 1 Million Sekunden für diese Aufgabe.
Das wären ja dann 16.666,67 Minuten. Das sind 277,78 Stunden und das sind 11,57 Tage.
Nun nehmen wir an, ich würde 8 Stunden am Tag zählen, als Aufgabe und Meditation, bräuchte ich die restlichen 16 Stunden zum Schlafen, Essen und Arbeiten, Lieben und Leben, sodass ich 34,72 Tage brauchen würde.
Aber nun lass uns mal annehmen, dass ich irgendwann nicht mehr eine Zahl in der Sekunde aufsagen könnte.
Dann wäre die Gesamtzeit länger. Mehr als ein halbes Jahr würde ich zählen. Das habe ich nach mehreren Versuchen das auszurechnen erfasst. Das hat mich noch trauriger gemacht. Weil ich die Zahl konkreter fassenkonnte.
Krieg ist böse. Ich kann nichts ändern. Ich kann nur zählen. Die Tage bis er endet. Die Toten.
Pass auf dich auf!
Deine S.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach

