BRIEF #137
Liebe S., Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, ein gelebtes Leben zu verstehen. Dein A.

Liebe S.,
gleich ist Mitternacht. Gerade habe ich die letzten Worte für meine erste Trauerfeier geschrieben.
Vor zwei Tagen durfte ich die Schwester der Verstorbenen besuchen. Wir haben uns lange unterhalten und ich habe versucht, zu hören und zu sehen. Mein Geist war hellwach.
Am nächsten Tag habe ich mit der Arbeit begonnen.
Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, ein gelebtes Leben zu verstehen.
Wie ich es mir immer vorgenommen hatte, folgte ich dem Ansporn, aus dem, was ich aufgenommen habe, Bilder zu machen und in Worte zu bringen.
Am Freitag findet die Abschiedsfeier statt. Kein Pfarrer. Nur die Angehörigen, die Trauergäste und ich.
Ein Ende. Und ein Anfang. Du weißt, wie lange ich darüber nachgedacht und dafür gefühlt habe. Unser Briefwechsel war mir immer ein wichtiger Wegbegleiter. Und wird es noch lange bleiben.
Fühle mich gelöst. Zuversichtlich.
Und gehe nun zu Bett.
Dein A.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach

