BRIEF #171
Liebe S., Zuversicht und Hoffnung also. Dein A.

Liebe S.,
die Ostertage liegen hinter uns.
Auf die Ostereiersuche, das ‚Hasjagen’, haben sich vor allem die Kinder gefreut.
Über das Festessen der Schwägerin aber jeder.
Ich habe neben den weltlichen Vergnügungen auch kirchliche Osterfeiern besucht.
Am Karfreitag saß ich Seit an Seit mit meinem Bruder in unserer Stiftskirche und habe den Worten des Pfarrers und dem Kammerchor bei der Darbietung der Johannespassion von Heinrich Schütz gelauscht.
Schließlich haben wir am Abendmahl teilgenommen. Wusstest Du, dass man nunmehr tatsächlich zwischen dem Trinken aus dem Gemeinschaftskelch und Einzelkelchen von der Größe eines Schnapsglases wählen kann?
Am frühen Morgen des Ostersonntags habe mich ich bei meinen schlafenden Mädchen per Zettelbotschaft abgemeldet und an der Auferstehungsfeier mit einem Posaunenchor auf unserm Bergfriedhof teilgenommen.
Wundere Dich nicht über das zweimalige Wort unser. Das steht mir. Vater unser.
Denn fürwahr waren die Feiern gut für mich. Der beladene Tag der Kreuzigung wie die frohe Auferstehung zwei Nächte später. Ostern ist auch größte Kultur und tiefste Symbolik. Ganz gleich, ob man glauben mag oder nicht.
Zuversicht und Hoffnung. Das wurde mir und den anderen Besuchern mit auf den Weg gegeben. Und wenn die aufmunternde Frühsonne dazu lächelt, greift man gerne zu.
Zuversicht und Hoffnung also. Allein die beiden Worte sind stark.
Ich mag sie mit Dir teilen. Lass sie Dir auf der Zunge zergehen.
Dein A.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach
