BRIEF #146
Liebe S., Dein A.

Liebe S.,
Weltbürger, Ausnahmekünstler und Familienmensch. So würdigten Redner Johann Traber. Er war 72 Jahre alt geworden. Und eines natürlichen Todes gestorben.
Traber war Hochseilartist. Er war das Oberhaupt einer der berühmtesten Artistenfamilien der Welt. Die Trabers sind eine Dynastie. Seit Jahrhunderten begeistern sie die Menschen rund um den Erdball mit ihrem Können und mit ihrem Mut. Was für eine Berufung. Was für ein Beruf.
In höchster Konzentration muss jeder Schritt sitzen. In der nächsten Sekunde könnte alles vorbei sein. Zwischen Weltrekord und Absturz sind es nur ein paar Zentimeter in luftiger Höhe. Triumphe und Tragödien. Das ist es wohl, was die Menschen fasziniert. Und weil es die Menschen fasziniert, gibt es Artisten, die sich ganz dieser Kunst verschrieben haben. Viele sind es nicht.
Die Trabers sind nicht weit von hier daheim. Und so hatte ich einmal die Idee, ein Gespräch mit Johann Traber zu suchen und mich mit ihm über den Balanceakt zwischen Leben und Tod zu unterhalten. Um dann darüber zu schreiben.
Es war eine Idee. Nun ist es nichts mehr.
Nimm Deine Ideen ernster.
Nachdenklich,
Dein A.
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Ein fiktionalisierter Briefwechsel über den Tod und das Sterben von Andreas Kaufmann und Sabrina Zwach

