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PEEPING TOWN eine berlin-globale Reihe von CHEZ COMPANY

„Es ist der Blick des Flaneurs, dessen Lebensform die kommende trostlose des Großstadtmenschen noch mit einem versöhnenden Schimmer umspielt. […] Die Menge ist der Schleier, durch den hindurch dem Flaneur die gewohnte Stadt als Phantasmagorie winkt. In ihr ist sie bald Landschaft , bald Stube.“ Walter Benjamin

„Never walk alone. Go by Avatar.“ Gesine Danckwart

Chez Company stellt sich den Veränderungen unserer Lebenswelten durch die technisch-sozialen Revolutio- nen unserer Zeit: World Wide Web, Big Data, das Smartphone im Kopf. Im Zentrum unserer digitalen Per- formance-Projekte steht das interaktive Spiel mit menschlichen Avataren – verdichtet mit theatralen Mitteln, Texten, Schauspielern. Für Peeping Town entwickeln wir ein globales Netzwerk von urbanen Geschichten. Kurz nach Feierabend beginnt in einer Berliner Bar ein  menschlicher Avatar seine Reise durch die Stadt – ein Performer mit einer von uns entwickelten Minitechnikeinheit, die seine Perspektive per Kamerabild live ins Internet streamt, weltweit natürlich. Die Route und der Charakter des Avatars sind gescripted, mehrfach durchlebt und erprobt, aber o en für neue Anweisungen. User / Zuschauer können den Weg durch das nächtliche Berlin verfolgen, die Begegnungen des Avatars steuern, ihm Texte und Anweisungen per Live-Chat einflüstern. Dramaturgisch orientiert sich die Erzählung des Avatars an Edgar Allan Poes „ a Man of the Crowd“. Wie sein Protagonist beobachtet der Avatar die Menge auf dem abendlichen Weg vom Büro nach Hause oder in die Kneipe, analysiert mit einem soziologischen Blick die verschiedenen Menschengruppen, die in der Rush Hour die Stadt bevölkern. Plötzlich fesselt ein Mann in der Menge seinen Blick, er beschließt seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen und folgt ihm durch die Nacht. Jeweils zur gleichen Zeit, in einer anderen Stadt, startet ein weiterer Avatar und durchläuft dieselbe Geschichte. Wir schalten zunächst Zürich, dann Kisangani, Peking und schließlich Bogotá dazu. In vier Episoden erzählen wir den Lauf durch das nächtliche Berlin, die Stadt, die Menschen und ihren globalen Pendants, um die unterschiedlichen und sich wandelnden Erfahrungen schließlich – im Finale – zu einem 24-stündigen Panorama der Großstadtnächte über sämtliche Zeitzonen zusammenzufügen, ähnlich wie Jim Jarmush es im Kult lm „Night on Earth“ gezeichnet hat.

Die manische Beobachtungssehnsucht, der lebensdürstende Voyeurismus, die Suche nach dem anderen, die Verlorenheit im Moloch, die Verlorenheit im Ich, sind Antriebsfeder und – wie wir behaupten – Kern unserer modernen Welterfahrung. Während bei Poe das Verhältnis des Einzelnen zur Menge noch durch die Erfahrung der Anonymität während der fortschreitenden Urbanisierung im 19. Jahrhundert geprägt war, hat sich dieses über die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung zu Beginn des aktuellen Jahrhunderts noch einmal grundlegend verändert. Mit dem Stream einer endlosen Nacht, aus der jeweiligen Ich-Perspektive der Avatare, der global-fernen und nahen Großstadtflaneure, die Impulse und Ideen von den Usern / Zuschauern weltweit verkörpern, unternimmt Peeping Town den Versuch dieses Verhältnis zur Menge im digitalen Zeit- alter neu zu erkunden. Die User / Zuschauer können weltweit am Projekt von einem eigenen Gerät oder aus von uns entwickelten mobilen Boxen teilnehmen, die wir in Theaterfoyers und Bars, in Goetheinstituten und Kiosken deponieren und die Verbindung vom ganz realen öffentlichen Raum wieder zurück in den digitalen herstellen.

Peeping Town wird entwickelt von Gesine Danckwart, Cao Kefei und Eva-Maria Bertschy, ist eine Produkti on von Chez Company in Zusammenarbeit mit HAU – Hebbel am Ufer Berlin, Mapa Teatro Bogotá, studios kabako Kisangani, Theaterhaus Gessnerallee Zürich, 3Q GmbH, dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) und RBB. Es wird unterstützt vom Goetheinstitut.